(Re-)Integration in den Arbeitsalltag

Eingestellt durch: Bertelsmann Stiftung

BIO Bäckerei stellt einen Asylbewerber und einen Ruheständler ein

Bildung und AusbildungIntegrationArbeitsplatzKleines Unternehmen

Heinrich Brandmeier

Bad Bayersoien, Bayern
https://www.baeckerei-brandmeier.de/

Idee

Im Bäckerhandwerk ist es schwierig, qualifizierte und motivierte MitarbeiterInnen zu finden. Unbesetzte Stellen im Unternehmen führen schnell zu einer Überlastung des Teams und sind nicht gut für das Betriebsklima. Die BIO Bäckerei Brandmeier in Bad Bayersoien entschloss sich daher, neue Wege zu gehen und Mitbürger aus der Region (wieder) in den Arbeitsalltag zu integrieren: Dazu gehören Menschen im Ruhestand, die einen Nebenverdienst brauchen ebenso wie Migranten auf Arbeitssuche. Auf den ersten Blick einfache Aufgaben wie Fahrdienste, Putz- und Aufräumarbeiten sind für die Struktur eines Backbetriebs sehr wichtig. Sind sie nicht gegeben, können Aufträge teilweise nicht angenommen und ausgeführt werden. Daher wurden ein ehemaliger Postbote und ein 29-jähriger Asylbewerber aus Pakistan in das Unternehmen geholt und für alle Beteiligten ein Mehrwert generiert: die Chance auf Integration, erhöhte Lebensqualität, Wertschätzung und Unabhängigkeit sowie ein starkes und erfolgreiches Team. Das Projekt trägt dazu bei, dass das Unternehmen und die Beteiligten „mehr gebacken bekommen“. In jeder Hinsicht …

Umsetzung

Die Einstellung des neuen Mitarbeiters aus Pakistan bedeutete umfangreiche Vorarbeit und Geduld: Zunächst erfolgte ein Antrag beim Landratsamt. Erforderlich waren eine genaue Tätigkeitsbeschreibung, Auskunft über die Anzahl der Stunden und die Bestätigung Mindestlohn zu bezahlen. Nach knapp zwei Monaten kam die Zusage: Der Asylbewerber erhielt eine Arbeitserlaubnis für 100 Stunden im Monat und vorläufig 1,5 Jahre, beginnend im Oktober 2016. Jeden Morgen um 6 Uhr wird er auf dem Rückweg von einer Lieferfahrt in Wildsteig abgeholt und in die Backstube gebracht. Anfangs war kontinuierliche Begleitung notwendig: Der neue Mitarbeiter musste mit seinen Aufgaben vertraut gemacht werden, zu denen viele ihm unbekannte Aspekte gehörten.

 

Bei der Einstellung des "Ruheständlers" waren sowohl die bürokratischen Hürden als auch die Einarbeitungszeit geringer, da er dank seiner vorherigen Tätigkeit als Postbote schnell und selbstständig im Fahrdienst zurechtkam.

Resultate

Das Unternehmen konnte zwei Menschen eine neue Perspektive geben. Beide Mitarbeiter sind mit Freude und Engagement bei der Arbeit, haben sich gut eingelebt und integriert. Sie sind für das Betriebsklima eine wahre Bereicherung, die alle in ihrem Miteinander und ihrer Weiterentwicklung fördert. Der junge Migrant aus Pakistan fing mit Putz- und Aufräumarbeiten an, inzwischen arbeitet er in der Backstube mit. Sein Deutsch macht täglich Fortschritte. Die Mitarbeiter der Bäckerei lernen durch ihn Aspekte einer anderen Kultur kennen und verstehen. Für die Inhaber des Unternehmens hat sich die Entscheidung für diesen neuen Weg als sehr gute Perspektive für die Zukunft erwiesen, insbesondere da durch diese Initiative Impulse für die Dorfgesellschaft und andere Unternehmen ausgehen und die regionale Vielfalt belebt wird. Auch in Zukunft will das Unternehmen bei frei werdenden Stellen auf diesem Wege neue Mitarbeiter rekrutieren.

Tipps für Nachahmer: Daran sollten Sie denken

  1. Immer am Ball bleiben! Misserfolge sollten nicht entmutigen.
  2. Offen sein im Umgang mit fremden Kulturen und gegenüber Geflüchteten.
  3. Die menschliche Kompetenz der Region nutzen.
Zuletzt aktualisiert: 24.07.2020

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